Quack, quack, quack!

 

MÜNCHEN 2005

[ERiC]
Fotos von ERiC und Martin

 

München ist eine Reise wert ...

... und das nicht nur wegen des Comic-Festes, das natürlich für einige Besucher der Stadt der Hauptgrund ihres Kommens war. Bereits zum 12. Mal wurde das Festival für alle Freunde der 9. Kunst abgehalten, diesmal in einer neuen Location, dem Forum am Deutschen Museum bei der Isar. Vier Tage lang, vom 1. bis 4. September 2005, wurde rund um das Thema »Comic« alles geboten, was das Herz begehrte – Zeichner, Comic-Alben, eine gut bestückte Börse, Vorträge, Ausstellungen und auch mehrere Programmpunkte für die Manga- und Anime-Freunde.

Wenn man zwischendurch einmal ausspannen und frische Luft schnappen wollte, dann bot sich ein kleiner Spaziergang in die Münchner Altstadt an, die man bei herrlichstem Wetter auch wirklich genießen konnte. Zwar gab es bei der Veranstaltung ein kleines Buffet, wo man alles notwendige bekam, um seinen Hunger und Durst zu stillen, aber Weißwürste in einem Gastgarten am Marienplatz schmecken einfach besser, und wenn man dabei auch noch das berühmte Glockenspiel am Rathaus sehen und hören kann, dann kann man wohl nicht mehr verlangen. Auch die Schweinebraten beim »Dönisl« waren es wert, dem Comicfest für kurze Zeit den Rücken zu kehren, aber das war natürlich Geschmackssache – wenn man ein richtiger Fan ist, dann zieht man den Geruch 20 Jahre alter Hefte dem einer frisch und knusprig gebratenen Schweinekruste vor, und eine Zeichnung von Walter König erfreut das Herz mehr als ein warmer Apfelstrudel in Vanillesoße, aber so kann eben jeder auf seine Rechnung kommen, und das ist das gute daran.


Jan Gulbransson beim Zeichnen und seine Ausstellung

Während die Nicht-»Donaldisten« unter den Fans noch beim »Dönisl« eine hervorragende Mast-Ente verspeisten, standen die anderen bereits bei Jan Gulbransson Schlange, um sich das Federvieh in ihre Alben zeichnen zu lassen, auch wenn der erste Fan partout eine Micky Maus wollte.

An dieser Stelle gleich einige Anmerkungen zum Ablauf dieser Signier- und Zeichenstunden, die aber auch symptomatisch – leider – für einige andere Comic-Veranstaltungen gelten. Manchmal hat man beim »Ritual der Künstlerzeichnungen« den Eindruck, es würde sich um die Geheimwissenschaft eines noch geheimeren Zirkels handeln. Erstens muss man wissen, dass üblicherweise Zeichnung gegen Ware gilt, sprich, man kauft ein Album des Zeichners oder ein beliebiges anderes, wenn man dieses schon selbst mitgebracht hat. Dazu bekommt man dann eine Nummer, aber: Zuerst muss man zweitens überhaupt wissen, dass es Nummern gibt, und drittens, wann es diese Nummern gibt. Da kann es schon passieren, dass man zufällig sieht, wie für einen Künstler die letzte Nummer vergeben wird, und unter Umständen ist das dann genau der Zeichner, wegen dem man gekommen ist. Hier wäre etwas mehr Transparenz wünschenswert, ansonst ist das Album/Nummern-System ein sehr gutes, da dadurch das langwierige Schlangestehen wegfällt und doch einigermaßen gewährleistet ist, dass auch jeder etwas bekommt, sofern er davon weiß – siehe oben.

Da wäre dann auch die nette Oma mit dem jugendlichen Enkel nicht so erbost gewesen, keine Zeichnung zu bekommen, obwohl die beiden schon an zwei Tagen angestanden waren, aber nicht wussten, wie ES funktioniert. Ralf König hatte die Situation dann kulant entschärft und seinen Fans trotzdem eine Zeichnung gemacht – so soll es sein, und angenehm fiel auch auf, dass Kinder bevorzugt behandelt werden, was nicht überall selbstverständlich ist. Apropos Erlangen – im Vergleich zum Comic-Salon im Vorjahr war das Münchener Comicfest von einer wesentlich angenehmeren Atmosphäre geprägt. Mag sein, dass das an den geringeren Besucherzahlen lag (wobei natürlich zu hoffen ist, dass es für die Veranstalter »genug« waren), aber auch sonst lief alles sehr ordentlich ab.


Links zeichnet Ralf König seinen bewegten Mann, rechts hilft Ekkard Schott bei Walthéry aus

Dass die Veranstaltung im Gegensatz zu den vorhergegangenen Festen – wenn auch mit kleinen Schwächen – sehr professionell organisiert und auch mit internationalen Zeichnern besetzt war, soll insbesondere auch der Mitwirkung von Ekkard Schott vom Salleck Verlag zu verdanken gewesen sein, diesem Lob kann man sich nur anschließen.

Um wieder zur Signierstunde von Jan Gulbransson zurückzukommen – dass der Künstler statt am Samstag nur am Freitag Zeit hat, kann passieren, aber man hätte das natürlich besser ankündigen können, vor allem auf der Homepage. Und etwas ärgerlich war, dass man auch hier gegen die Zeit kämpfen musste, sprich, von den ohnehin nur ausgegebenen 15+5 Nummern bekamen einige Fans nur Schnellzeichnungen hingekritzelt. Dafür hatte man aber durchaus die Chance, bei den anderen Künstlern auch mehrere seiner Lieblingscharaktere zu bekommen, und wenn man die Alben, die man dafür erstehen musste, ohnehin gekauft hätte, war es ein Nullsummenspiel.

Andererseits sind auch die Fans selbst an manchen Engpässen schuld, wenn sie nicht nur riesige Zeichenblätter vorlegen, sondern dann noch kistenweise Comic-Alben zum Signieren hervorzaubern – das ist nicht fair und sollte nicht geduldet werden.

Erwünscht war es hingegen, wenn man Comics kistenweise von den Händlern wegschleppte. Es dürften zwar nicht alle auf ihre Rechnung gekommen sein, aber die Börse wurde allgemein als sehr gut bestückt gelobt und einige gaben mehr Geld aus, als ihnen lieb war. Erfreulicherweise war mit Martin Hilland auch ein Händler von Original-Comicseiten anwesend.


Francois Walthéry, Jean-Claude Fournier und Naomi Fearn

Unermüdlich waren insbesondere die frankobelgischen Zeichner Francois Walthéry (»Natascha«, »Die Schlümpfe« oder »Benni Bärenstark«) und Jean-Claude Fournier (»Spirou und Fantasio«), aber auch die reizende Naomi Fearn (»Zuckerfisch«) war meistens an ihrem Platz zu finden.

Auch die Manga- und Anime-Fans kamen auf ihre Rechnung. Es wurde einiges geboten, selbst wenn es im Vorfeld auf www.comicforum.de einige Kritik gab. Dazu sei folgende Antwort eines Veranstalters zitiert:

»Manga wird EIN Themenschwerpunkt sein! Daneben haben wir noch Ralf König mit einer großen Ausstellung, Fournier und Walthéry aus dem frankobelgischen Lager, die Richard Corben Ausstellung für Fans der amerikanischen Comickunst und viele, viele deutsche Zeichner (u.a. auch Timo Würz, der vor kurzem zugesagt hat) und Verlage. Außerdem eine interessante Struwwelpeter-Ausstellung! ;-). Manga ist halt für viele Besucher wichtig. Und wir brauchen nun mal auch viele Besucher, um diese Veranstaltung zu realisieren.«

Vielleicht ist ja einigen Comic-Fans nicht bewusst, dass das Wort »Manga« ebenfalls für »Comic« steht, nur eben aus Japan. Leben und leben lassen, sollte hier die Devise lauten! Und eine nette Bereicherung sind sie ja allemal die Cosplay-Girls mit ihren aufwendigen Kostümen, auch wenn einige mit ein paar Kilo weniger eher ihren Vorbildern entsprechen würden.


Links Harald Havas mit FRED, rechts zwei Preisträger des Mangazeichenwettbewerbs

Für die Skeptiker gab es einen sehr interessanten Podiums-Vortrag über die »Faszination Manga«, der vom Comic-Journalisten und -Publizisten Harald Havas gewohnt souverän und mit trockenem Humor dargebracht wurde. Unter anderem konnte man Ausschnitte aus der Realverfilmung von »Sailor Moon« bestaunen. Und falls es jemand noch nicht wusste – es gibt von Harald Havas auch einen eigenen Comic namens FRED, den er gemeinsam mit Reinhard Kiesel macht (siehe Beitrag Total FRED)

In einem eigenen kleinen Saal konnten sich die Manga- und Animefreunde austoben – der Verein ANIMEXX hatte dort einen Stand aufgestellt und bot den Fans etwa auch einen »Tanzteppich«, auf dem man zu vom Computer vorgegebenen Schrittfolgen mit Musik Punkte sammeln konnte. Ein fauxpas war jedoch, dass man die Clubzeitung »FUNime« nicht dabei hatte, um sie interessierten Besuchern zu zeigen.

Nach einer nicht wirklich aufregenden Schwertkampfvorführung von Jürgen Seebeck ging es dafür dann beim Cosplay so richtig zur Sache. Mehr Akteure als erwartet betraten die Bühne und hatten teilweise ein richtiges kleines Programm einstudiert. Die größten Darsteller-Gruppen gab es zu den Serien »One Piece« und »Hellsing«, da wurde es richtig eng auf den Brettern. Den größten Lacherfolg hatte die Hellsing-Truppe, die in ihrer Show verzweifelt nach Meister Alucard suchte, der dann tatsächlich noch während der Bewertung in toller Verkleidung vor der Bühne erschien. Gewonnen hatte letztendlich ein »Hellboy« in grellroter Maske. Weitere Cosplay-Fotos


Die große Cosplay-Show

Zwischendurch wurden noch die Gewinner des Manga-Zeichenwettbewerbs prämiert, von denen erstaunlich wenige zur Preisverleihung gekommen waren, dafür freuten sich die anwesenden Jungkünstler umso mehr. Am Stand von WOC war auch ein selbst verlegtes Doujinshi mit Geschichten von potentiellen Nachwuchskünstlern erhältlich.

Als Vorbereitung für den nächsten Wettbewerb konnte man bei Ultracomix einer jungen »Mangaka« über die Schulter schauen, die demonstrierte, wie gezeichnet und ausgemalt wird, und das nicht nur anhand der typischen Figuren, sondern etwa auch an einem Batman.

Die Ausstellungen im Untergeschoss waren liebevoll gestaltet, auch wenn so gut wie keine Originalseiten zu sehen waren. In einer Koje mit etwa 30 Plätzen wurden auf einer kleinen Leinwand Comic-Dokumentationen und Anime-Episoden gezeigt, leider gab es dazu keine Programmübersicht.


Timo Würz und Manuel Fior

Unter den anwesenden Zeichnern waren außer den oben genannten auch Uli Österle (»Hector Umbra«), Manuel Fior (»Menschen am Sonntag«), DUO (»Mon-Star Attack«), Eckartsberg/Kummant (»Die Chronik der Unsterblichen«) und Timo Würz (»Drakan«, »Black Metal« und – was vielleicht nicht so bekannt ist – Cover für JOHN SINCLAIR-Romane), um nur einige zu nennen.

Es gäbe natürlich noch viel mehr über dieses Comic-Fest zu berichten, wie etwa die Neuinterpretation des Struwwelpeters, die Show von Phil, den Stromausfall, die Vorträge, die Preisverleihungen oder die vielfältigen Cosplaykostüme – alles in allem eine Veranstaltung, die auch weitere Anfahrten gelohnt hat, und die gebrannten karamellisierten Cashew-Kerne in der Münchner Innenstadt waren sowieso eine Reise wert!

 

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